15.11.2022

Volkstrauertag 2022 in Kämpfelbach

Demonstrieren Geschlossenheit: Am Ehrenmal auf dem Bilfinger Friedhof haben Pfarrer Oliver Elsässer (Zweiter von rechts) und Bürgermeister Thomas Maag (links daneben) zwei Kränze aufgestellt. (rol)
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Demonstrieren Geschlossenheit: Am Ehrenmal auf dem Bilfinger Friedhof haben Pfarrer Oliver Elsässer (Zweiter von rechts) und Bürgermeister Thomas Maag (links daneben) zwei Kränze aufgestellt. (rol)

Gedenken in der Mitte der Gesellschaft - Neuer Bürgermeister begeht den Volkstrauertag mit abgewandeltem Konzept

Es ist eine ebenso einfache wie klare Botschaft, die am Sonntagmorgen gesendet wurde: „Keine Gewalt, kein Krieg.“ Formuliert haben sie in Kämpfelbach viele Akteure gemeinsam: in Reden, in musikalischen und kreativen Beiträgen. Der Volkstrauertag hat dort dieses Mal in einer abgewandelten Form stattgefunden, weil es dem neuen Bürgermeister Thomas Maag (parteilos) wichtig war, ihn angesichts der aktuellen Kriege und Krisen wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Zusammen mit dem Gesangverein „Frohsinn“ Bilfingen, dem Musikverein „Eintracht“, dem VdK und der freiwilligen Feuerwehr hat er die Bevölkerung am Sonntagvormittag zu einer Gedenkveranstaltung in die Johanneskirche in Bilfingen eingeladen. Über das neu gegründete Elternnetzwerk und das Kindergartenkuratorium hatte der Bürgermeister im Vorfeld organisiert, dass der Nachwuchs des katholischen Kindergartens kleine, weiße Friedenstauben bastelt, die am Ausgang an die Gäste verteilt wurden. Vertreter des Freundeskreises Civitella dokumentierten die Veranstaltung, um anschließend der italienischen Partnergemeinde darüber zu berichten.

Weil erstmals auch ukrainische Flüchtlinge an der Gedenkveranstaltung teilnahmen, wurde die Rede des Bürgermeisters von einer Muttersprachlerin simultan in ihre Sprache übersetzt. Maag betonte, dass sich hinter „den Toten“ vor allem persönliche Schicksale verbergen, die „uns berühren und zum Nachdenken bringen“ – im Gegensatz zu reinen Zahlen, Daten und Fakten, die eine Distanz schaffen, hinter die man sich unbeteiligt zurückziehen könne. Maag nutzte den Volkstrauertag auch, um an Flucht und Vertreibung zu erinnern. „Gerade mit dem Blick in die Ukraine hat die Menschheit wieder einmal versagt“, sagte der Bürgermeister und verwies auf die Menschen, die gezwungen werden, ihr Land gegen eine Diktatur zu verteidigen oder aus Angst um ihr Leben zu fliehen. Maag betonte: „Die Privilegien, die wir auch hier in Kämpfelbach genießen, sind keine Selbstverständlichkeiten.“ Das Leben in einer funktionierenden Demokratie, in Frieden und Freiheit müsse man sich „zukünftig noch härter erarbeiten“.

In seiner Predigt sprach Pfarrer Oliver Elsässer über das Jesus-Wort „Selig sind, die Frieden stiften“. Er sagte, es beeindrucke ihn sehr, dass das ukrainische Volk sich entschieden habe, sich zu wehren. Aber er fragte auch, wie es weitergehen wird, wenn der schreckliche Krieg hoffentlich bald vorbei ist. „Schon immer hat es Menschen gebraucht, die Frieden stiften, die sanftmütig unterwegs sind“, sagte der Pfarrer und betonte mit Blick auf die deutsch-französische Freundschaft: „Versöhnung kann gelingen.“ VdK-Vorsitzender Wolfgang Roth sagte: „Krieg kennt keine Gewinner, sondern nur Verlierer.“ Die Bilder aus der Ukraine zeigten, wie nah und dringlich die Friedensaufgabe wirklich sei. „Der Frieden ist ein zerbrechliches Gut, das wir mehr denn je schützen müssen.“

Nico Roller (Text und Fotos)


Der Musikverein „Eintracht“ Bilfingen spielte beim Volkstrauertag. (rol)