Regenwolken überschatten Wohnen im Norden

Enzkreis-Bürgermeister kritisieren mangelnde Information und Konzept für Oberflächenwasser

Kritik an Pforzheimer Bauplänen: Wenn westlich der Wilferdinger Höhe 70 Hektar für Gewerbe ausgewiesen würden und östlich davon 60 Hektar „Wohnen im Norden“, finden das die Bürgermeister Udo Kleiner und Thomas Zeilmeier (rechts) schon heftig.

 

 

Ein sommerlicher Starkregen und dann Hochwasser: Insbesondere Königsbach-Stein, aber auch Ispringen und Kämpfelbach haben das im Juni 2013 und im Juni 2016 erlebt. Der Eindruck der Wassermassen, die der Kämpfelbach damals durch die Straßen schwemmte, hilft, wenn sich die Bürgermeister Udo Kleiner (Kämpfelbach) und Thomas Zeilmeier (Ispringen) nun öffentlichkeitswirksam mit einer weiteren Überschwemmungsgefahr beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen dabei aber weniger die derzeit regenreichen Juniwolken. Den beiden geht es um Oberflächenwasser aus dem Pforzheimer Norden.

„Da entsteht ein kleiner Ortsteil mit 4.200 Einwohnern“, sagt Kleiner. Die Bürgermeister haben die Zahl selbst errechnet auf der Basis eines durchschnittlichen Schlüssels bei 60 Hektar Wohnbaugrund. Die damit einhergehende Flächenversiegelung sieht Kleiner als Gefahr für seine Gemeinde und für die seines Kollegen aus Ispringen. Denn dass Pforzheim den natürlichen Lauf des Regenswassers in den Gräben an der Königsbacher Landstraße sehen und sich erst „zu gegebener Zeit“ damit beschäftigen wolle, ist nicht im Sinne der hochwassererfahrenen Rathauschefs.

Wehret den Anfängen, heißt denn auch ihre Devise, nachdem sie „durch Zeitungsberichte“ von dem Vorhaben erfahren haben. „Wir fordern vehement bereits jetzt von der Stadt eine moderne regenwassernutzende Infrastruktur, die ausschließlich von der Stadt Pforzheim aufzubauen und zu finanzieren ist“, sagen Kleiner und Zeilmeier und sprechen von einem „unvorstellbaren finanziellen Aufwand für eine abflussfreie Erschließung dieses Baugebiets“.

Kleiner zückt einen Vertrag aus den 90er-Jahren, um deutlich zu machen, dass ein verantwortungsbewusster Bürgermeister gegenüber Pforzheim in solchen Angelegenheiten nicht früh genug reagieren kann. Damals habe sich die Stadt der Angelegenheit entledigt, indem sie Ispringen eine finanzielle Entschädigung zubilligte. In dem Papier steht aber auch, dass damals Sicherungsanlagen und Überflutungsflächen vereinbart wurden.

„Wenn man Rückhaltungen braucht, baut man welche“, sagt der Chef der Pforzheimer Stadtentwässerung, Thorsten Sudhof. So sei es zum Beispiel auch in den 90er-Jahren beim Kämpfelbach gewesen. Die Stadt habe im Sommerweg drei große Rückhaltebecken gebaut. So etwas gehe immer zu Lasten der bauenden Gemeinde. Außerdem brauche eine Einleitung in ein Gewässer eine wasserrechtliche Erlaubnis – bei mehreren betroffenen Gemeinden übers Regierungspräsidium. Das alles werde im Zuge des Bebauungsplanverfahrens geregelt.

Selbstverständlich wissen auch die beiden Rathauschefs aus Kämpfelbach und Ispringen, wie der Verfahrensweg verläuft. Sie wollen aber „ein wichtiges Thema in die Öffentlichkeit tragen und darauf drängen, dass die Stadt geeignete Schritte unternimmt“. Außerdem vermissen sie grundsätzlich die Information, „so dass die Dinge sauber abgearbeitet werden können“.

Prinzipiell, sagt Zeilmeier, habe er Verständnis dafür, dass Pforzheim ein Neubaugebiet angehen möchte. „Aber 60 Hektar?“ Das sei „schon heftig“, meint Kleiner. Beide blicken dabei auch auf den Klapfenhardter Wald, wo Pforzheims OB ein Gewerbegebiet will. Diese 70 Hektar plus die 60 Hektar „Wohnen im Norden“ bilden zusammen mit dem Gewerbegebiet Wilferdinger Höhe eine kompakte Bebauung, macht Zeilmeier auf der Karte deutlich. „Das ist schon sehr viel. Nachhaltigkeit wäre das genaue Gegenteil von Flächenfraß.“

Es handle sich weder um ein Baugebiet von 60 Hektar, noch werde das angestrebt, sagt dazu das Pforzheimer Baudezernat. Es gehe um eine ganzheitliche Entwicklung. Wie viel dafür zum Wohnen ist, müsse abgewartet werden.

Quelle: BNN | Pforzheimer Kurier | PFORZHEIM | 17.06.2020; Text und Foto: Edith Kopf