Kampf gegen Spurenstoffe beginnt

Für mehr Umweltfreundlichkeit: Königsbacher Kläranlage erhält gezielte Spurenstoffelimination

Wichtige Weiche gestellt: Als ökologisch sehr wichtige Maßnahme bezeichnete Verbandsvorsitzender Udo Kleiner die Nachrüstung der Spurenstoffelimination auf der Königsbacher Kläranlage. (rol)

 

Auf der Königsbacher Kläranlage soll die gezielte Spurenstoffelimination neu gebaut werden. Weitere Weichen dafür hat der zuständige Abwasserverband Kämpfelbachtal bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig gestellt, indem er unter anderem die Ausführungsvariante festlegte. Vorgesehen ist eine Pulverisierte Aktivkohlefiltration (PAK), mit der 80 Prozent der vom Land als Leitparameter ausgewählten Stoffe an die Aktivkohle gebunden werden können. Auch Mikroplastik kann künftig zurückgehalten werden, Phosphor und Rückstände von Medikamenten können eliminiert werden. Das ist wichtig, wenn man weiß, dass aktuell an der Kläranlage jeden Tag umgerechnet allein 24 Tuben des Medikaments Voltaren ankommen. Ökologie, Reinigungsleistung und ein sicherer Betrieb der Kläranlage sollen bei dem Bauprojekt laut Verbandsvorsitzendem Udo Kleiner (parteilos) im Mittelpunkt stehen. Entstehen werden unter anderem ein Flockungsreaktor und ein dreistraßiger Tuchfilter. Die Beschickung soll über ein Pumpwerk erfolgen, das in einem Multifunktionsgebäude untergebracht ist. Künftig wird in durchschnittlich 83 Prozent aller Stunden eines Jahres der komplette Zufluss zur Kläranlage mit dem neuen Verfahren behandelt.

Eine detaillierte Kostenschätzung liegt inzwischen vor und geht insgesamt von rund 6,27 Millionen Euro aus. Bis Ende September muss der Abwasserverband einen Zuschussantrag stellen, denn es winkt eine Förderung von bis zu 20 Prozent durch das Land. Darüber hinaus können die Verbandskommunen einen zusätzlichen Zuschuss erhalten, wenn sie einen Schwellenwert überschreiten, der unter anderem davon abhängig ist, wie stark sie in ihre eigenen Wasserbetriebe und Kanalnetze investiert haben. Die Gesamtkosten von 6,27 Millionen Euro werden auch gegenfinanziert über die Abschreibungen des Verbands, die jährlich ein Volumen von 1 bis 1,1 Millionen Euro haben. Zieht man auch die Zuschüsse ab, verbleibt ein Delta von zwei Millionen, das über die Umlage finanziert wird, die die vier zum Abwasserverband gehörenden Kommunen Kämpfelbach, Ispringen, Eisingen und Königsbach-Stein entrichten. Allerdings: In den vergangenen Jahren haben sie vom Verband Mittel in insgesamt siebenstelliger Höhe wieder zurückbekommen, weil Investitionen verschoben werden mussten. Allein im vorigen Jahr waren es insgesamt 562.000 Euro, wie aus dem Jahresabschluss hervorgeht. Die Königsbacher Kläranlage ist die größte im Enzkreis und reinigt die Abwässer von rund 27.000 Einwohnern. Dimensioniert ist sie auf 55.000 Einwohnergleichwerte, weil dort auch Industrieabwässer gereinigt werden.

Weiteres Thema in der Sitzung des Abwasserverbands war das Blockheizkraftwerk der Kläranlage, das inzwischen mehr als 15 Jahre alt, wartungsintensiv und störanfällig ist. Deswegen soll es durch ein neues ersetzt werden. Einstimmig hat der Verband die maschinentechnische Ausrüstung an eine Firma aus Berghülen auf der Schwäbischen Alb vergeben – und zwar für rund 316.000 Euro. Damit liegt das Angebot der Firma rund 65.000 Euro unter der ursprünglichen Kostenberechnung. Ebenfalls einstimmig vergeben hat der Verband die Kanalreinigungs- und Inspektionsarbeiten – und zwar zum Angebotspreis von rund 149.000 Euro an eine Firma aus Eppingen. Um einen aktuellen Schadensüberblick zu erhalten, soll das Kanalnetz unter Zuhilfenahme einer Kamera befahren werden. Anschließend soll ein Zeitplan für die Behebung der dabei festgestellten und nach Klassen gewichteten Schäden erarbeitet werden. Insgesamt sollen Befahrung und Auswertung anderthalb Jahre dauern. Das Angebot der nun beauftragten Firma lag um rund 49.000 Euro unter den Kosten des ausgepreisten Leistungsverzeichnisses.

Nico Roller