Forstverwaltung informierte den Gemeinderat und die Jagdpächter über den Zustand und die Perspektiven für den Gemeindewald

Gemeinderat und Jagdpächter bekamen beim Rundgang von den Forstfachleuten Jana Kohler, Benedikt Nüter, Dieter Konstandin und Matthias Bäuerle (vorne, ab Dritte von links) einen Überblick über den Zustand und die Perspektiven zum Kämpfelbacher Gemeindewald. Links daneben Bürgermeister Udo Kleiner.

 

Groß war das Interesse bei der Waldbegehung des Kämpfelbacher Gemeinderates. Zum dreistündigen Rundgang im Distrikt „Berghau“ konnte Bürgermeister Udo Kleiner nahezu alle Ratsmitglieder sowie die Pächter der drei Jagdbezirke begrüßen. Seitens der Forstverwaltung informierten Referendarin Jana Kohler, der Revierleiter Remchingen/Kämpfelbach Dieter Konstandin, Matthias Bäuerle (FFH-Waldnaturschutz) sowie Forststudent Benedikt Nüter über die aktuelle Situation des Gemeindewaldes und seine künftige Entwicklung.

Im rund 350 Hektar umfassenden Wald dominieren mit 73 Prozent die Laubbäume gegenüber 27 Prozent Nadelbäumen. Dabei ist die Buche auf 51 Prozent der Waldfläche die stärkste Baumart. Eichen haben einen Anteil von 14 Prozent, Douglasien stehen auf 23 Prozent der Fläche. Die anderen Baumarten, wie beispielsweise Fichte, Ahorn, Esche, Hainbuche oder Kirsche, haben eine untergeordnete Bedeutung, skizzierte Jana Kohler die gegenwärtige Situation. Mit Blick auf das heißer und trockener werdende Klima machte Kohler deutlich, dass die Buche an ihre Grenzen komme. Sie bleibe in Kämpfelbach zwar die wichtigste Baumart. Zur Streuung des Risikos im Klimawandel würden künftig resistentere Baumarten beigemischt, wobei die Eiche an Bedeutung zunehmen werde.

Revierleiter Dieter Konstandin möchte den Nadelwaldanteil erhalten, wobei er die trockenresistentere Douglasie als Chance sieht, die wertvolles Stammholz für die Verwendung als Bauholz liefere. Allerdings liegen 34 Prozent des Waldes im FFH-Bezirk Pfinzgau-Ost, so Konstandin, was für den Anbau der aus Nordamerika stammenden Baumart (die vor der letzten Eiszeit schon einmal in Europa heimisch war) nicht ganz unproblematisch sei. Dazu berichtete Matthias Bäuerle, beim Enzkreis Forstamt für Waldnaturschutz und FFH-Management zuständig, dass derzeit ein FFH-Managementplan mit konkreten Festlegungen zum Artenschutz und zur Artenverbesserung aufgestellt werde. Trotz einiger nicht praktikabler Vorschläge in der Bürofassung sei man zuversichtlich, dass entsprechende Anregungen aus dem Forstbereich in den Plan eingearbeitet werden können.

Beim Rundgang zeigte Revierleiter Konstandin auch Beispiele der Trockenschäden an den zum Teil über 100 Jahre alten Buchenbeständen. Da die Buchen zwar einen Teil ihres Blattwerkes schon früh abgeworfen haben, jedoch das fein geästete Reisig noch oben blieb, sieht Konstandin noch die Chance, dass die Bäume im kommenden Frühjahr wieder grün werden und damit erhalten bleiben. Naturverjüngung, bei der durch die aufgehenden Samen der Buchen der Baumbestand nachwächst, spielt im Kämpfelbacher Wald eine bedeutende Rolle.

Konstandin zeigte die notwendigen aber auch aufwendigen Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss bei der Aufforstung mit Jungpflanzen von Eichen (abbaubare Pflanzhüllen) und Douglasien (jeweils drei Holzstäbe pro Pflanze).

 

Mit dem Blick nach oben wiesen Jana Kohler, Dieter Konstandin und Matthias Bäuerle (von rechts) auf die Schadenslage nach den beiden trockenen Jahren hin.

 

Hier waren auch die anwesenden Jagdpächter angesprochen, die beim Bejagen eine besondere Verantwortung tragen. Bürgermeister Kleiner wies diesbezüglich auf die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Jägerschaft und Forst im Rahmen der jährlichen Jägergespräche im Oktober hin. Benedikt Nüter informierte über die Afrikanische Schweinepest, die tödliche Virusinfektion für Wild-, Zucht- und Hausschweine. Für Menschen und Haustiere ist das Virus ungefährlich. Nüter gab Hinweise zum Erkennen infizierter Tiere und was im Ernstfall zu veranlassen ist.   

Auch der enorme Erholungswert des Kämpfelbacher Gemeindewaldes war ein Thema. Dazu gab Gemeinderat Klaus Kasper ein Lob aus der Bevölkerung weiter: „Die Waldwege sind als Wanderwege gut in Schuss. Das ist echte Naherholung!“ Dass das Ratsgremium hierfür gerne Mittel zur Verfügung stellt, fügte er hinzu.

Mit Jagdhornklängen begleiteten die Gebrüder Wanitschek und Petra Aldinger die Waldbegehung.

Text und Fotos: Schott