Bilfingen
Ersingen
Bilfingen

Kampagne „Hast du das auch gehört?“ gestartet

Im Kampf gegen häusliche Gewalt Nachbarschaft sensibilisieren und informieren

Das eigene Zuhause ist nicht immer ein sicherer Ort. Vor allem in Zeiten des Lockdown und der weiteren Herausforderungen durch die Corona-Pandemie gehen Fachleute davon aus, dass Gewalt in den Familien zunimmt. Mit der in diesen Tagen gestarteten Kampagne „Hast du das auch gehört?“ machen die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Pforzheim und des Enzkreises, Susanne Brückner und Kinga Golomb, auf diese sich verschärfende Problematik aufmerksam, sie informieren und sensibilisieren gezielt die Nachbarschaft. „Denn die Betroffenen selbst haben nicht immer die Möglichkeit, eigenständig Hilfe zu suchen“, erklären die beiden Expertinnen. „Daher ist es wichtig, aufmerksame Nachbarinnen und Nachbarn zu haben, die in Notsituationen helfen können. Unsere Kampagne soll aber auch präventiv wirken.“

Auf Plakaten im Stadt- und Kreisgebiet sowie auf Postkarten, die an 35.000 Haushalte in der Region verteilt worden sind, werden Tipps gegeben, wie die Nachbarschaft häusliche Gewalt verhindern kann beziehungsweise im Verdachtsfall richtig vorgehen sollte. „Je nach konkreter Situation gibt es verschiedene Handlungsoptionen für aufmerksame Nachbarinnen und Nachbarn“, so Golomb. „Ob Schreie, Weinen oder Gepolter - wichtig ist, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen.“ Zur Gefahreneinschätzung sei es zunächst sinnvoll, sich mit anderen auszutauschen. „Hast du das auch gehört?“ sei sozusagen der Anfang nachbarschaftlicher Solidarität. Im nächsten Schritt sollte man nach Gelegenheiten suchen, die betroffene Person allein anzusprechen und sich nach deren Wohlbefinden zu erkundigen. Man könne aber auch unter einem anderen Vorwand klingeln und seine Hilfe anbieten.

Sobald aber eine Konfliktsituation zu bedrohlich erscheinen sollte, empfiehlt sich laut Golomb ein Anruf bei der Polizei oder dem bundesweiten Hilfetelefon unter 08000 116016. Beide könnten anonym kontaktiert werden. Man müsse sich also nicht sorgen, dass die Informationen der eigenen Person zugeordnet werden können und so ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis gestört würde.

Bereits jetzt zeichnet es sich nach Worten von Golomb ab, dass die häusliche Gewalt unter den Restriktionen der Corona-Pandemie zunimmt: „Familien, die auf engem Raum zusammenleben, durch Homeoffice oder Kurzarbeit mehr Zeit zuhause verbringen als üblich, dabei von Zukunftsängsten durch finanzielle Einbußen geplagt sind und gleichzeitig noch die Kinderbetreuung leisten, sind in mehrfacher Hinsicht belastet. All das kann dazu führen, dass Gewalt in der Partnerschaft oder auch gegenüber den Kindern steigt, kurzum: die Hemmschwelle bei häuslicher Gewalt sinkt.“

Auch das Jugendamt des Enzkreises verzeichnet einen Anstieg der Fälle von rat- und hilfesuchenden Familien. „Meist handelt es sich um Überforderung der Eltern und damit zusammenhängend die Vernachlässigung der Kinder“, erklärt der stellvertretende Leiter des Jugendsamts, Christopher-Tom Reimann. Dies sei nicht weniger kritisch. Deswegen begrüßt auch er die Kampagne der Gleichstellungsbeauftragten: „So steigt die Chance, dass Familien in schwierigen Situationen Hilfe von uns bekommen können.“ Darüber hinaus unterstützen die Mitglieder des Netzwerks „Fachbeirat gegen häusliche Gewalt“ und des „Frauenbündnis Pforzheim Enzkreis“ die Kampagne – und natürlich die betroffenen Familien.

Die Infos und Materialien zur Kampagne sind auch online unter www.enzkreis.de/gewaltschutz zu finden.

(stp/enz)

 

Kontakt:

Susanne Brückner, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Pforzheim, 07231 39-2548 oder 0151 522 566 82,  susanne.brueckner@pforzheim.de
Kinga Golomb, Gleichstellungsbeauftragte Enzkreis, 07231 308 9595 oder 0170 6349314, kinga.golomb@enzkreis.de