Heizkosten sparen mit Smart Home?

Einsparpotenziale durch Digitalisierung werden von Hauseigentümern häufig überschätzt – Ist die Heizung richtig eingestellt, lässt sich der Energieverbrauch mit intelligenten Systemen nur geringfügig reduzieren.

Intelligent vernetzte Häuser sollen für mehr Lebensqualität sorgen, Zeit sparen und den Energieverbrauch senken. Der Markt für solche Anwendungen wächst rasant. Große Hoffnungen werden vor allem in smarte Heizungssteuerungen gesetzt – rund 70 Prozent des Energieverbrauchs in privaten Wohngebäuden entfallen auf die Raumwärme. Bei einer bereits gut eingestellten Heizungsregelung ist das Einsparpotenzial durch Hausautomation und Smartphone-Apps jedoch begrenzt. Darauf weist Zukunft Altbau hin, das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm rund um die energetische Sanierung. „Ist die Heizung optimal eingestellt, können smarte Technologien nur wenige Prozentpunkte rausholen“, so Frank Hettler von Zukunft Altbau. Hauseigentümer sollten daher Kosten und Nutzen genau abwägen und sich vor allem um eine reibungslos funktionierende Heizung kümmern, so Hettler weiter. Auskunft zur Heizungsoptimierung geben Gebäudeenergieberater.

Neutrale Informationen gibt es auch kostenfrei über das Beratungstelefon von Zukunft Altbau 08000 12 33 33 oder per E-Mail an beratungstelefon@zukunftaltbau.de.

 

Lohnt sich die Umrüstung?

Bis zu 25 Prozent Heizenergie können Hauseigentümer mit Smart-Home-Systemen einsparen, sagen Hersteller. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) geht von 15 Prozent aus. Die Verbraucherzentrale kommt auf maximal acht Prozent. co2online, eine vom Bundesumweltministerium unterstützte gemeinnützige Beratungsgesellschaft, hat die Daten zusammengestellt.

„Über klassische Effizienzmaßnahmen hinausgehende Einsparungen sind mit einer Gebäudeautomatisierung nur noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich möglich“, sagt auch Meike Militz von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es sollte zudem bedacht werden, dass Smart-Home-Systeme im Dauerbetrieb arbeiten und Tag und Nacht Strom verbrauchen. Die Technologie hat außerdem ihren Preis. Die Kosten liegen bei mehreren hundert bis über tausend Euro. Besonderes Augenmerk sollten Hauseigentümer daher zuerst auf eine durch eine Fachperson richtig eingestellte Heizung legen, so Militz. Die Ausgaben für das smarte Haus könnten dann kaum noch zur Heizenergie- und Kosteneinsparung beitragen.

 

Auch andere Effizienzmaßnahmen wichtig

Fazit: Klassische Effizienzmaßnahmen wie eine optimierte Heizungsregelung decken bereits den Großteil der Maßnahmen ab, die Smart-Home-Lösungen anbieten. Wer den Rest an Einsparpotenzial auch noch will, muss mehr oder weniger tief in die Tasche greifen bei überschaubaren Effekten. Hauseigentümer mit weitergehenden Effizienzwünschen sollten eher einen hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage durchführen lassen und prüfen, ob eine neue Heizungspumpe nötig ist. Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass alle Heizkörper genau die erforderliche Wassermenge erhalten. Moderne Heizungspumpen benötigen nur ein Zehntel so viel Strom wie in die Jahre gekommene Umwälzpumpen.

Bedacht werden sollte auch: Ein möglichst geringer Heizenergieverbrauch ist nur mit einer energetisch optimierten Gebäudehülle zu erreichen. Ausschließlich Wärmeschutzfenster sowie eine dicke Dämmung von Dach, Fassade und Kellerdecke können die großen Einsparpotenziale heben. Eine persönliche Beratung zur Dämmung der Gebäudehülle und einer gut eingestellten Heizung erhalten Hauseigentümer bei Gebäudeenergieberatern aus der Region. Auskunft gibt es auch bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.