Auf der Kläranlage ist mächtig was los:

Abwasserverband Kämpfelbachtal investiert Millionen in zweites Nachklärbecken – Hochwasserfolgen: Entsorgung des Klärschlamms wurde teurer

Am Anfang der ersten Sitzung des Abwasserverbandes Kämpfelbachtal im neuen Jahr stand ein dickes Lob des Verbandsvorsitzenden, Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner. „Die Mitarbeiter auf der Kläranlage leisten eine hervorragende Arbeit“, würdigte Kleiner in der Verbandsversammlung, die im Ratssaal des Ersinger Bürgerhauses stattfand. Die Verbandskläranlage, am Ortsrand von Königsbach in Richtung Singen gelegen, ist das technische Herzstück des Abwasserverbandes, dem die Gemeinden Ispringen, Eisingen, Kämpfelbach und Königsbach-Stein angehören. In der Anlage werden die Abwässer der rund 27.000 Einwohner der vier Gemeinden sowie der zahlreichen dort ansässigen Gewerbebetriebe gereinigt, bevor sie in den vorbeifließenden Kämpfelbach eingeleitet werden. Größtes Einzelprojekt des Wirtschaftsplanes 2017, der von Verbandsgeschäftsführer Walter Kopp und Kämmerer Kevin Jost vorgestellt wurde, ist der bereits im Vorjahr in Angriff genommene Bau eines zweiten Nachklärbeckens. Im Nachklärbecken findet die Trennung der Mikroorganismen des biologischen Schlammes vom gereinigten Abwasser statt. 4,4 Millionen Euro wird die Gesamtmaßnahme kosten, knapp 2,5 Millionen Euro davon entfallen auf den Vermögensplan des Haushaltes 2017, der insgesamt ein Volumen von 2.780.000 Euro umfasst.

Der weiche Untergrund der Kämpfelbach-Talaue, wo sich die Kläranlage befindet, machte es bei den bereits erfolgten Rohbauarbeiten erforderlich, das neue Klärbecken mit 30 Pfählen von jeweils 13 Metern Tiefe zu fundieren. Teil der Gesamtmaßnahme ist auch die Sanierung des gut 40 Jahre alten bestehenden Klärbeckens für 830.000 Euro. Auch hierbei sind besondere Maßnahmen erforderlich: Während der Zeit der Sanierung muss der Grundwasserspiegel im Bereich der Kläranlage abgesenkt werden, weil dieses andernfalls dem geleerten und entsprechend „leichten“ Nachklärbecken Auftrieb verleihen und dieses nach oben drücken würde. Ziel ist es, die Sanierung nach der für April 2017 geplanten Fertigstellung des neuen Beckens in Angriff zu nehmen. Die gesamten Maßnahmen sollen noch 2017 abgeschlossen werden, so der Zeitplan. Als weitere größere Investitionen sieht der Wirtschaftsplan 80.000 Euro für die Gesamtkonzeption der Regenwasserbehandlung vor und 50.000 Euro für die Sanierung des Stauraumkanals zwischen Bilfingen und Königsbach, der durch große Wassermengen in Bewegung gerät. Dort müssen die Verbindungsstellen der Rohre abgedichtet werden, damit kein Abwasser nach außen dringt. Finanziert wird der Vermögensplan mit 1.070.000 Euro Abschreibungen, die über die Abwassergebühren erwirtschaftet werden, sowie 1.710.000 Euro Baukostenumlage, deren Verteilung auf die vier Verbandsgemeinden sich nach der Zahl von deren Einwohnern bemisst. Der Erfolgsplan des laufenden Betriebes erhöht sich gegenüber dem Vorjahr um 39.000 Euro auf 2,16 Millionen Euro. Zieht man die genannten Abschreibungen ab, so beziffern sich die laufenden Kosten für die Abwasserreinigung aus dem Kämpfelbachtal und aus Richtung Stein und Eisingen im Jahr 2017 auf gut eine Million Euro. Die Auswirkungen des großen Hochwassers vom 7. Juni 2016, das vor allem Stein betroffen hatte, haben sich in der Kläranlage noch bis Ende 2016 an einer Stelle ausgewirkt, an die man wohl nicht auf Anhieb denkt: Große Mengen an mineralischen Stoffen, etwa von den Böden der Äcker, haben ihren Weg durch das Kanalsystem zur Kläranlage gefunden. Dort haben sie dazu geführt, dass der Anteil der organischen Stoffe im Klärschlamm über eine längere Zeit bei lediglich 20 bis 30 Prozent lag, informierte Geschäftsführer Walter Kopp. Das ist an sich nicht schlimm. Allerdings verlangt das Unternehmen, das den Klärschlamm entsorgt und zur Verfeuerung an einen Konzern der chemischen Industrie verkauft, einen Mindestgehalt von 51 Prozent an organischem Material. „Denn nur das brennt, der Mineralanteil im Klärschlamm landet dagegen eins zu eins in der Asche, deren Entsorgung nicht billig ist“, so Kopp. Für die Zeit des niedrigen organischen Anteils, musste vom Abwasserverband an das Entsorgungsunternehmen ein Aufschlag gezahlt werden. Wie jüngste Proben gezeigt haben, liegt der Anteil der organischen und daher brennbaren Materialien im Klärschlamm nun wieder bei stabil über 51 Prozent. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Erweiterung der Nachklärung in der Kläranlage des Abwasserverbandes Kämpfelbachtal ist das mit Abstand größte Investitionsprojekt im Jahr 2017. Allein die Fertigstellung des im Bau befindlichen zweiten Klärbeckens erfordert weitere rund 2,5 Millionen Euro. Das aufwendige Konstrukt aus Stahl und Beton muss sowohl dem Gewicht des zu klärenden Wassers als auch dem Druck des Grundwassers standhalten.

Text und Foto: Schott